Tiefziehstahl: das Wichtigste
Tiefziehstahl ist keine einzelne Sorte, sondern eine Güteklasse. Die DC-Güten nach EN 10130 sind genau für das Umformen definiert: DC03 und DC04 für gezogene Gehäuse und Hülsen, DC05 und DC06 für sehr tiefe Züge. Daneben ziehen wir Edelstahl (304, 304 DDQ, 316, 410, 430), Aluminium (1100-O, 3003-O, 6061-O), Messing, Kupfer und Nickelbasislegierungen wie Inconel 625. Entscheidend sind drei Dinge: wie weit sich der Werkstoff ziehen lässt, wie stark er dabei verfestigt, und welche Korrosions- oder Festigkeitsanforderung das Teil später erfüllen muss. Die konkrete Güte bestätigen wir anhand der Zeichnung.
Tiefziehstahl: die DC-Güten im Überblick
Die DC-Güten sind kaltgewalzte Stähle mit definierter Umformbarkeit. Nach oben wird die Ziehfähigkeit besser, die Anforderungen an Werkzeug und Prozessführung steigen mit ihr.
| Güte | Wofür sie gewählt wird | Worauf beim Ziehen zu achten ist |
|---|---|---|
| DC01 | Einfache Biege- und Formteile | Für tiefe Näpfe zu wenig; reißt am Bodenradius |
| DC03 | Näpfe und Hülsen mittlerer Tiefe | Der Einstieg in die Tiefziehgüten |
| DC04 | Die übliche Wahl für gezogene Gehäuse, auch Magnetspulengehäuse | Verträgt mehrere Ziehstufen ohne Zwischenglühung |
| DC05 | Tiefe Züge in einer Stufe | Weicher, deshalb empfindlicher gegen Falten – Niederhalterkraft sauber führen |
| DC06 | Sehr tiefe und komplexe Teile | Höchste Umformbarkeit, niedrigste Streckgrenze; neigt zum Fließen |
| DX53D+Z | Gezogene Teile, die Korrosionsschutz brauchen (feuerverzinkt nach EN 10346) | Zinkschicht beim Umformen schonen; Schnittkanten bleiben ungeschützt |
S320GD: was die Bezeichnung bedeutet
S320GD gehört nicht zu den Tiefziehgüten. Die Bezeichnung kommt aus EN 10346 für feuerverzinkte Baustähle: S steht für Baustahl, 320 für die Mindeststreckgrenze in MPa, G für feuerverzinkt und D für die Eignung zum Kaltumformen. Für eine gezogene Geometrie ist eine DC-Güte die richtige Wahl; wo Korrosionsschutz dazukommt, die verzinkte Tiefziehgüte DX53D+Z. S320GD wird dort eingesetzt, wo eine tragende Struktur mit Verzinkung gefragt ist – nicht dort, wo ein Napf tief aus dem Zuschnitt fließen soll.
Edelstahl tiefziehen
Austenitische Güten sind die Referenz für Sensor-, Ventil- und Motorgehäuse. Ferritische Sorten sind magnetisch und günstiger, verzeihen aber weniger.
| Güte | Tiefziehqualität | Wofür |
|---|---|---|
| 304 / 1.4301 | Gut | Standardgehäuse, Hülsen, Näpfe; der hohe Nickelanteil trägt die Umformung |
| 304 DDQ | Sehr gut | DDQ steht für Tiefziehqualität: mehr Nickel, für tiefere Teile und mehr Umformgrad |
| 316 / 316L | Gut | Molybdän und höherer Nickelanteil für korrosive Medien; Labor-, Medizin- und Prozesstechnik |
| 410 | Gering | 400er-Serie, kein Nickel, günstiger – nicht für sehr tiefe Teile |
| 430 | Gering | Ferritisch und magnetisch, gut verfügbar; flachere Ziehstufen einplanen |
Mehr zu Rundheit, Wandstärke und Toleranzen an gezogenen Edelstahlteilen: rundes Tiefziehen von Edelstahl.
Aluminium, Messing und Kupfer
| Werkstoff | Tiefziehqualität | Wofür |
|---|---|---|
| Aluminium 1100-O | Sehr gut | Nahezu reines Aluminium, geringe Festigkeit, zieht sehr gut |
| Aluminium 3003-O | Sehr gut | Fester als 1100-O, kaltverfestigt beim Ziehen; Behälter und Gehäuse |
| Aluminium 6061-O | Sehr gut | Im O-Zustand leicht zu formen, danach wärmebehandelbar (T4 natürlich, T6 künstlich gealtert) |
| Messing CDA 655 | Gut | 97 % Kupfer, 3 % Silizium; gute Festigkeit, für Marine- und Kochgerätanwendungen |
| Kupfer | Gut | Für thermische Bauteile und Leitfähigkeit |
Aluminium ist nicht Stahlziehen mit einem leichteren Werkstoff: Es hat rund ein Drittel des Elastizitätsmoduls, verfestigt schnell, neigt zum Fressen an der Matrize und federt stärker zurück. Details dazu unter Aluminium tiefziehen.
Kohlenstoffstähle: kaltgewalzt oder warmgewalzt
Kohlenstoffarme Stähle der Reihen 1008 bis 1020 ziehen sich gut, wenn sie kaltgewalzt sind – und sie hinterlassen eine Oberfläche, die sich leicht weiterbearbeiten lässt. Warmgewalzte Güten ziehen ebenfalls gut, sind günstiger, aber ihre Oberfläche ist nicht so glatt; sie passen, wenn der Preis wichtiger ist als das Finish.
Sonderwerkstoffe: Nickelbasislegierungen
Inconel 625 zieht sich für eine Nickelbasislegierung gut, bleibt aber unter den Edelstählen. Da der Werkstoff schnell aushärtet, braucht er mehrere Ziehstufen und Spannungsarmglühungen, sobald das Verhältnis von Durchmesser zu Tiefe steigt. Inconel 718 hat weniger Tiefziehfähigkeit als 625 und verlangt mehr Glühschritte – das Teil wird teurer. Beide gehören zu den Werkstoffen, bei denen wir vor dem Angebot eine Ziehprüfung empfehlen.
So wählen wir die Güte
- Zuerst die Geometrie: Ziehverhältnis, Tiefe und Bodenradius entscheiden, welche Umformbarkeit nötig ist. Ein tiefes Gehäuse aus 310S braucht mehr Ziehstufen als dasselbe Gehäuse aus 304.
- Dann die Umgebung: Korrosionsbeständigkeit, Magnetismus und Temperatur engen die Auswahl ein. Für magnetische Kreise ist 430 eine Option, für korrosive Medien 316.
- Zuletzt der Preis: Nickelgehalt und Güteklasse bestimmen den Materialpreis, die Umformbarkeit den Werkzeug- und Stückpreis. Beides gehört in dieselbe Rechnung.
Unsere Pressen arbeiten von 25 t bis 350 t und ziehen bis Ø250 mm; veröffentlichte Sensorgehäuse-Konfigurationen liegen bei Wandstärken von 0,25 mm bis 1,00 mm. Jeder Werkstoff wird anhand Ihrer Zeichnung bestätigt – nicht anhand einer Liste.
Häufige Fragen zu Tiefziehstahl
Was ist Tiefziehstahl genau?
Ein kaltgewalzter Stahl mit definierter Umformbarkeit – in Europa die DC-Güten nach EN 10130. DC04 ist die übliche Wahl für gezogene Gehäuse, DC05 und DC06 für sehr tiefe Züge. Die Güte beschreibt nicht die Festigkeit des fertigen Teils, sondern wie weit sich der Werkstoff ziehen lässt.
Kann man S320GD tiefziehen?
Es ist keine Tiefziehgüte. S320GD ist ein feuerverzinkter Baustahl nach EN 10346 für tragende, kaltumgeformte Bauteile. Für eine gezogene Geometrie ist eine DC-Güte passend, mit Korrosionsschutz die verzinkte Tiefziehgüte DX53D+Z.
Welcher Edelstahl lässt sich am besten ziehen?
304 mit DDQ-Qualität und 305 sind die gängigen Wahl für tiefe Züge; 304 bleibt die Referenz für die meisten Gehäuse. Ferritische Güten wie 410 und 430 sind günstiger und magnetisch, verlangen aber flachere Ziehstufen.
Zieht sich Aluminium oder Stahl leichter?
Stahl lässt sich tiefer ziehen. Aluminium hat rund ein Drittel des Elastizitätsmoduls, verfestigt schneller, neigt zum Fressen an der Matrize und federt stärker zurück – das verlangt andere Schmierstoffe, größere Radien und häufigere Zwischenglühungen.
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Verfasst vom Balford-Technikteam, Zhuji, Zhejiang. Zuletzt aktualisiert am 8. Oktober 2026.