Blech tiefziehen in einem Satz
Beim Blech tiefziehen drückt ein Ziehstempel einen flachen Blechzuschnitt durch eine Matrize. Der Werkstoff fließt dabei vom Rand nach, sodass ein nahtloser Hohlkörper entsteht – Becher, Gehäuse, Kappen, Hülsen. Von Tiefziehen spricht man, wenn die Ziehtiefe größer ist als der Durchmesser; ist sie kleiner, wird das Teil in der Regel nur abgekantet oder in einer Stufe gezogen. Balford zieht Blech auf Pressen von 25 bis 350 t, mit Zieh-Ø bis 250 mm und Wandstärken von 0,25 bis 1,00 mm.
Was beim Blech tiefziehen im Werkzeug passiert
Ein Tiefziehwerkzeug besteht aus vier Teilen, die zusammen das Ergebnis bestimmen: dem Ziehstempel, der das Blech in die Matrize drückt, der Matrize mit ihrem Einlaufradius, dem Niederhalter, der den Zuschnitt auf der Blechauflage hält, und dem Ziehspalt zwischen Stempel und Matrize, der die Wandstärke des fertigen Teils festlegt.
Der entscheidende Vorgang ist das Nachfließen. Der Boden des Teils wird kaum verformt, während der Werkstoff am Rand gestaucht und in die Zarge gezogen wird. Genau dort entstehen die Fehler: Ist der Niederhalterdruck zu niedrig, wirft der Rand Falten. Ist er zu hoch, kann der Werkstoff nicht nachfließen und reißt. Zwischen beiden Grenzen liegt das Prozessfenster, in dem ein Teil reproduzierbar läuft – und dieses Fenster wird bei uns am Werkzeug eingestellt, nicht am Rechner.
| Werkzeugteil | Was es beeinflusst | Woran man merkt, dass es nicht stimmt |
|---|---|---|
| Einlaufradius der Matrize | Wie leicht der Werkstoff nachfließt | Risse im Bereich der Zarge oder am Übergang zum Boden |
| Niederhalter und seine Kraft | Falten am Rand gegenüber Nachfließen | Falten im Flansch oder Reißen in der Nähe des Bodens |
| Ziehspalt | Wandstärke und Ausdünnung | Wand zu dünn, Bodenreißer, maßhaltige Abweichungen |
| Schmierstoff | Reibung, Oberflächenbild, Werkzeugstandzeit | Kaltverschweißung, Riefen, Abrieb am Werkzeug |
Das Ziehverhältnis: wie viele Züge ein Teil braucht
Das Ziehverhältnis beschreibt, um wie viel der Durchmesser pro Zug kleiner werden darf. Es ist die Kennzahl, die darüber entscheidet, ob ein Teil in einem Zug fertig wird oder ob zwischengeglüht und weitergezogen werden muss. Die Werte hängen am Werkstoff, nicht an der Maschine.
| Werkstoff | Erster Zug (Verhältnis) | Folgezüge |
|---|---|---|
| Baustahl DC04 nach EN 10130 | etwa 2,0 | 1,3–1,5 |
| Edelstahl 304 | etwa 1,6–1,8 | 1,2–1,4 |
| Aluminium 3003-O / 1100-O | etwa 1,8–2,0 | 1,3–1,5 |
| Messing, Kupfer | je nach Zustand 1,6–1,9 | 1,2–1,4 |
Die Zahlen sind Richtwerte für die Auslegung – der tatsächliche Grenzwert hängt von Blechdicke, Einlaufradius und Schmierstoff ab. Wie daraus die Zugfolge und die Rondengröße gerechnet werden, steht im Detail auf der Seite zum maximalen Ziehverhältnis beim Tiefziehen.
Zwischenglühen und Abstrecken
Jede Umformung verfestigt den Werkstoff. Nach einigen Zügen hat er so viel Kaltverfestigung aufgebaut, dass ein weiterer Zug reißt. Dann wird zwischengeglüht: Das Teil wird weichgeglüht und die Zugfolge geht weiter. Das Glühen selbst ist bei Balford ein externer Schritt, der über geprüfte Partnerläufe läuft – die Zugfolge und ihre Freigabe bleiben bei uns.
Abstrecken ist die Gegenrichtung: Hier wird der Werkstoff nicht nachgezogen, sondern zwischen Stempel und Matrize bewusst durch einen engeren Spalt gepresst, damit die Wand dünner und maßhaltiger wird. Das ist das Mittel, wenn ein Gehäuse mit definierter Wandstärke und enger Toleranz gefordert ist – die Begriffe sind auf der Seite Tiefziehen, Ziehen, Abstrecken, Drücken abgegrenzt.
Welche Blechwerkstoffe sich tiefziehen lassen
Tiefziehstahl ist keine einzelne Sorte, sondern eine Güteklasse: Die DC-Güten nach EN 10130 sind genau für das Umformen definiert. Daneben ziehen wir Edelstahl, Aluminium, Kupfer, Messing und Nickelbasislegierungen.
| Gruppe | Güten, die wir verarbeiten | Wofür |
|---|---|---|
| Tiefziehstahl | DC01 – DC06 nach EN 10130 | Gehäuse, Kappen, Hülsen; DC05/DC06 für sehr tiefe Züge |
| Feuerverzinkt | DX53D+Z | Teile, die später im Korrosionsbereich sitzen |
| Edelstahl | 304, 304 DDQ, 316, 430 | Sensorkappen, Medienkontakt, Umgebung mit Feuchtigkeit |
| Aluminium | 1100-O, 3003-O, 6061-O | Gewichtsreduktion, gute Umformbarkeit |
| Kupfer und Messing | Cu ETP, CuZn-Güten | Leitfähigkeit, Kontaktteile, dekorative Oberflächen |
| Nickelbasis | z. B. Inconel 625 | hohe Temperatur, korrosive Medien |
Welche Güte ein Bauteil wirklich braucht, entscheidet die Zeichnung in Verbindung mit der späteren Beanspruchung. Die Auswahlkriterien stehen auf der Seite Tiefziehwerkstoffe und Tiefziehstahl.
Wandstärke, Toleranzen und Messung
Die Wandstärke ist beim Tiefziehen ein Ergebnis, keine Vorgabe: Sie entsteht aus Blechdicke, Ziehspalt und der Zahl der Züge. In der Praxis liegen unsere Blech-Tiefziehteile bei 0,25 bis 1,00 mm Wandstärke, der häufigste Fall bei etwa 0,50 mm. Bei tiefgezogenen Teilen sind Wandstärke, Rundlauf, Höhe und Rissfreiheit die vier Merkmale, die gemessen werden müssen – und zwar an denselben Stellen, an denen später montiert wird.
Bei anspruchsvollen Programmen können wir einen Erstmusterprüfbericht (FAI) und die Unterlagen für eine PPAP-Einreichung mitliefern; die Messträger stehen im eigenen Inspektionslabor. Was das im Einzelfall bedeutet, hängt vom Messkonzept ab, das wir vor Serienbeginn gemeinsam festlegen.
Typische Fehler beim Blech tiefziehen und ihre Ursache
| Fehlerbild | Häufigste Ursache | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| Riss im Boden oder am Bodenübergang | Ziehverhältnis zu groß, Einlaufradius zu klein, Niederhalter zu hart | Zugfolge aufteilen, Radius öffnen, Werkstoff zwischendurchglühen |
| Falten im Flansch oder in der Zarge | Niederhalterdruck zu niedrig, Blechdicke zu gering | Niederhalterkraft erhöhen, Zuschnitt anpassen, Rondengröße prüfen |
| Wand zu dünn / Ausdünnung | Ziehspalt zu eng, Abstrecken zu stark | Ziehspalt überarbeiten, Zugfolge neu auslegen |
| Riefen und Kaltverschweißung | Schmierstoff ungeeignet, vor allem bei Edelstahl und Aluminium | Schmierstoff wechseln, Oberfläche des Werkzeugs prüfen |
| Rückfederung, Maß außerhalb Toleranz | Werkstoff zu hart, Kalibrieren fehlt | Kalibrierstufe im Werkzeug vorsehen, Werkstoffzustand prüfen |
Edelstahl und Aluminium reagieren hier unterschiedlich, weil sie beim Umformen anders verfestigen und anders zum Kaltverschweißen neigen. Der Vergleich steht auf der Seite Tiefziehen von Aluminium vs. Edelstahl.
Konstruktionsregeln für ein fertigbares Tiefziehteil
- Ziehtiefe im Verhältnis zum Durchmesser begrenzen. Was darüber liegt, wird zur Zugfolge – und jede zusätzliche Stufe kostet.
- Boden- und Eckradien nicht zu klein halten. Der Radius ist der Platz, den der Werkstoff zum Fließen braucht.
- Toleranzen nur dort eng setzen, wo sie gebraucht werden. Ein Maß, das funktional frei ist, verteuert Werkzeug und Ausschuss, ohne etwas zu verbessern.
- Beschnitt und Zugabe einplanen. Tiefgezogene Teile werden nach dem Ziehen auf Endmaß getrimmt; die Höhe davor ist kein Endmaß.
- Wandstärke und Material aus einer Hand angeben. Beides zusammen entscheidet, ob eine Zugfolge reicht.
- Spätere Füge- und Montageschritte früh nennen. Deburren, Gewinden, Fügen und Montieren machen wir im gleichen Haus; was von Anfang an vorgesehen ist, kostet später weniger.
Was Balford beim Blech tiefziehen leistet
Gezogen wird auf Pressen von 25 bis 350 t, darunter eine hydraulische Presse mit 250 t und einer Tischfläche von 0,8 × 1,2 m für tiefe Züge und große Ronden. Der Zieh-Ø geht bis 250 mm. Die Werkzeuge werden im eigenen Haus konstruiert und gebaut, was bedeutet, dass eine Änderung an Einlaufradius oder Ziehspalt eine Werkstattentscheidung ist und kein Lieferantenprojekt. Danach laufen die Teile durch CNC-Bearbeitung, Entgraten, Gewinden und Montage, bevor sie verpackt werden.
Transparenz zu externen Schritten. Oberflächenbehandlung und Wärmebehandlung sind bei Balford keine eigenen Prozesse. Verzinken, Vernickeln, E-Coating, Pulverbeschichten, Beizen, Phosphatieren und das Weichglühen laufen über geprüfte Partnerbetriebe. Was im Haus bleibt, ist die Auslegung, die Zugfolge, die Maßprüfung und die Dokumentation.
Das Haus arbeitet nach ISO 9001:2015. Werkstoffzeugnisse, Messprotokolle und IMDS-Einträge liefern wir mit, wenn das Programm sie verlangt. Eine feste Mindestmenge gibt es nicht: Bei kleinen Stückzahlen prüfen wir, ob ein Einzelwerkzeug oder eine Bearbeitung aus dem Vollen günstiger ist als ein Folgeverbundwerkzeug.
Was den Stückpreis bestimmt
Der Stückpreis eines Blech-Tiefziehteils setzt sich aus Material, Werkzeuganteil, Zügen und Nacharbeit zusammen. Die größten Hebel liegen in der Konstruktion: eine Zugstufe weniger, ein sinnvoller Zuschnitt und eine toleranzarme Zeichnung sind mehr wert als jede Verhandlung über den Werkzeugpreis. Deshalb prüfen wir die Zeichnung vor dem Angebot und melden zurück, wenn eine Änderung die Fertigung einfacher macht.
Häufige Fragen zum Blech tiefziehen
Was bedeutet Blech tiefziehen?
Beim Blech tiefziehen wird ein flacher Blechzuschnitt mit einem Ziehstempel durch eine Matrize gezogen, sodass ein nahtloser Hohlkörper entsteht. Wenn die Ziehtiefe größer ist als der Durchmesser, spricht man vom Tiefziehen.
Wie tief kann man Blech in einem Zug tiefziehen?
Das begrenzt das Ziehverhältnis: Bei Baustahl DC04 liegt der erste Zug bei etwa 2,0, bei Edelstahl 304 bei etwa 1,6 bis 1,8. Was tiefer ist, braucht weitere Züge, bei starker Verfestigung mit Zwischenglühen.
Ab welcher Stückzahl lohnt sich ein Tiefziehwerkzeug?
Tiefziehen lohnt sich meist ab einigen Tausend Teilen pro Jahr, weil das Werkzeug einmalig bezahlt wird. Bei kleinen Mengen prüfen wir alternativ Einzelwerkzeug oder Bearbeitung. Eine feste Mindestmenge haben wir nicht.
Was kostet ein Tiefziehwerkzeug?
Das hängt an Größe, Werkstoff und Zahl der Züge – eine Zahl ohne Zeichnung wäre geraten. Senden Sie die Zeichnung, dann prüfen wir die Machbarkeit und nennen Werkzeugpreis, Zugfolge und Stückpreis. Die Rückmeldung kommt in der Regel innerhalb eines Arbeitstages.
Können Sie auch kleine Mengen und Ersatzbedarf liefern?
Ja. Bei kleinen Mengen und Ersatzbedarf prüfen wir zuerst, ob eine Bearbeitung aus dem Vollen oder ein Einzelwerkzeug wirtschaftlicher ist als ein Folgeverbundwerkzeug.
Den vollständigen Leitfaden zu Verfahren, Werkstoffen, Toleranzen und Werkzeugbau finden Sie unter Tiefziehen.